Elisabeth Buxbaum: Transit Shanghai – Ein Leben im Exil Edition Steinbauer, Wien, 2008 (Hg. von der Armin Berg Gesellschaft) ISBN: 978-3-902494-33-7; 22,50 €
“Zwei Reisepässe und ein chinesisches Brettspiel sind alles, was sich aus der Exilzeit meines Stiefvaters erhalten hat”, schreibt Elisabeth Buxbaum in ihrem Vorwort zu Transit Shanghai. Dieser bescheidene Nachlass war es auch, der die Autorin bewog, sich auf die Reise zu machen, den Spuren ihres Vaters, seinem Weg der Flucht und Heimkehr zu folgen. Die Ergebnisse ihrer Nachforschungen in diversen Archiven, bei zahlreichen Gesprächen mit anderen Exilanten und zuletzt auch in Shanghai selbst sind nun in ihrem Buch zusammengefasst. China war nach 1938 das einzige Land der Welt, das den verfolgten Juden aus Europa ohne größere Anforderungen Zuflucht bot. Rund 4000 Österreicher erreichten mit einem Transit-Visum die Hafenstadt Shanghai, wo sie sich unter schwierigsten Bedingungen eine neue Existenz aufbauten. Trotz des täglichen Überlebenskampfes in einer gänzlich fremden Welt gelang es bald, eigene kulturelle Traditionen weiterzuführen. Unter den Flüchtlingen gab es Lehrer, die sich um die Errichtung von Schulen kümmerten, Journalisten sorgten für Zeitungen und Radioprogramme, Musiker gaben Konzerte, Schauspieler traten auf und es entstanden sogar neue Theaterstücke und Operetten. Bis ein nächster Schicksalsschlag das Leben der Flüchtlinge noch einmal radikal veränderte: 1943 verwies die japanische Besatzungsmacht sie in ein Ghetto. Wer auch das überlebte, konnte nach dem Ende des Weltkrieges darauf hoffen, in die europäische Heimat – in ein zerbombtes, kaltes und hungerndes Wien – zurückzukehren. Elisabeth Buxbaum lotet in diesem Buch die kulturelle und intellektuelle Reichhaltigkeit der Shanghaier Exilzeit aus, sie schildert glaubhaft, was ein Leben im Exil erforderte und den Menschen abverlangte. Nüchtern und stets mithilfe zeitgenössischer Quellen verweist sie schließlich auf die Schwierigkeiten nach der Rückkehr, wo man Vertrauen verlernt hatte und manchmal nur Vereinsamung blieb: “Der Beerdigung meines Vaters wohnten zwei Menschen bei, meine Mutter und ich.”