Armin Berg Gesellschaft


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    [recte Hermann Weinberger]

    9.5.1883 Hussowitz bei Brünn; Mähren (Husovice, heute ein Stadtteil von Brno, CZ) 23.11.1956 Wien



    Groteskkomiker, Humorist, Kabarettist



    Schon in jungen Jahren war Armin Berg Statist am Deutschen Theater in Brünn und konnte sich später seiner gemeinsamen Auftritte mit Leo Slezak rühmen. Mit 15 Jahren versuchte er sich erstmals als Komiker am Stadttheater in Leitmeritz, Engagements in Teplitz, Mährisch-Ostrau und Aussig folgten. Mit 18 kam Berg nach Wien und war zuerst Unterhalter im Wirtshaus "Zum Marokkaner" und in anderen Singspielhallen des Praters. Er gründete sein eigenes Sommervarieté und wurde 1909 von Heinrich Eisenbach ans "Budapester Orpheum" - im Hotel Stephanie, Taborstraße 12 - verpflichtet, dem er 17 Jahre angehörte. Diese von Josef Modl und Matthias Bernhard Lautzky 1889 gegründete Kleinbühne bot vor allem jüdische Jargonpossen und Kabarettstücke dar und war zwischen 1913 und 1919 im Fürstenhof in der Praterstraße 25 beheimatet. Mit Eisenbach - seinem Ensemble gehörte u.a. auch Hans Moser an - hatte er seine ersten großen Erfolge, besonders brillierte er in der "Klabriaspartie". Ab 1915 trat Berg im Kabarett "Max und Moritz" und dann im "Theater der Komiker" auf, an dessen Führung er sich eine Zeit lang beteiligte. Mit der ihm eigenen Vortragskunst von Couplets und Einaktern wurde er immer berühmter.



    1915 hatte er auch seinen ersten Auftritt im Film: "Charly, der Wunderaffe"; 1916 folgte "Sami, der Seefahrer" (nach dem Lustspiel von Heinrich Eisenbach; mit Gisela Werbezirk u.a.) und im Film nach Hugo Bettauers Roman "Die Stadt ohne Juden" (1924) spielte er den Kommis Isidor. 1932 wirkte er dann noch in dem Film "Die Herren Lausbuben" mit.



    Nach 1918 versuchte er sich als Lokalbesitzer, aber weder mit der "Kleinen Lachbühne" noch mit der "Armin Berg Bar" (Dorotheergasse 7) konnte er reüssieren. Nach Schließung der Possenbühne "Max und Moritz" im Sommer 1924 trat Berg und sein Ensemble als "Theater der Komiker" in der Rolandbühne (Praterstraße 25) auf. Seit den 20er Jahren war er in allen großen Programmen im Simplicissimus (Simpl) vertreten, spielte im Ronacher, Varieté Renz und anderen bekannten Bühnen, vor allem mit Karl Farkas, Fritz Grünbaum und Hans Moser. Die Texte zu seinen Couplets stammten meist von Louis Taufstein, aber auch von Josef Armin und Arthur Franzetti; seine berühmtesten aber waren von Otto Reutter (1870-1931), einem der bekanntesten Humoristen Deutschlands, der auch von Tucholsky bewundert wurde: "Der Überzieher" und "Der gewissenhafte Maurer" (Der Ziegelstein). Zahlreiche Schellackaufnahmen aus dieser Zeit dokumentieren Berg's unnachahmlichen Vortrag, mit dem er überaus erfolgreich war.



    Dem Zugriff der Nazis konnte er sich noch 1938 durch die Flucht in die USA entziehen; ein Land, dessen Sprache er kaum kannte. Er mußte sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Papierwaren und Büroartikel verdienen. Daneben trat er mit Karl Farkas in dessen berühmten Doppelconferencen in New Yorker Caféhäusern (Lublo´s Garden, Old Europe), in Kurt Robitscheks Kabarett der Komiker (Kadeko), im Pythian Theatre u.a. auf.



    Nach seiner Rückkehr nach Österreich im Jahr 1949 gab er im Simpl wieder sein altes Repertoire zum Besten, Gastspiele führten ihn nach Amsterdam und Zürich.





    Dr. Andreas Sperlich





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    "Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle: Ich heiße Armin Berg. Halsweite 46, geboren zwischen Wien und Preßburg. Meine Mutter hat nämlich einmal mit einem Dampfer einen Ausflug von Wien nach Preßburg gemacht, und wie sie so längere Zeit auf dem Wasser gefahren ist, hat sie auf einmal gerufen: "Gott, wie schön ist die Gegend!" Da war ich natürlich neugierig, und schon war ich da. Außerdem bin ich auch verheiratet. Nötig hab´ ich gehabt zu heiraten! Mir ist es ja schließlich so auch ganz gut gegangen, aber ich habe einmal bei einer Juxlotterie eine Damenhose gewonnen: was hätte ich mit einer Damenhose anfangen sollen? Habe ich mir eine Frau dazu genommen. Also, ehrlich gesagt, geheiratet habe ich ja nur, weil man mir gesagt hat, daß verheiratete Männer länger leben. Das ist aber nicht wahr, es kommt einem nur länger vor. Aber eines muß ich sagen, ich lebe mit meiner Frau im bestem Einvernehmen: vor allem ist sie sehr sparsam, wirtschaftlich und, was die Hauptsache ist, eine Künstlerin im Kochen. Ihre Spezialität ist Gulyas; sie kann kochen, was sie will, immer wird Gulyas draus. Also, wie gesagt, ich bin mit meiner Frau sehr glücklich. Das gibt es nicht, daß sie mir etwas vorwirft; nur nachwerfen tut sie mir manchmal etwas. Trifft sie mich, ist sie glücklich, trifft sie mich nicht, bin ich glücklich, und so sind wir beide glücklich. ..... Allerdings kostet eine Frau viel Geld, aber dafür hat man sie lang. Dabei will ich, Gott behüte, nicht sagen, daß man einer Frau nichts bieten soll. Im Gegenteil, ich bin dafür, daß man ihr das Beste bietet. Und was ist das Beste? Frische Luft! Man führt die Frau Sonntag Nachmittag ein bißchen nach Schönbrunn, dort geht man spazieren, sie erholt sich, und es kostet nichts. Eventuell läßt man sie sogar allein spazieren gehen und bleibt zu Hause, dann erholen sich alle beide. Ich zum Beispiel bin mit meiner Frau zu Gutem jetzt bald fünfzehn Jahre verheiratet, und das Einvernehmen ist leider doch nicht mehr so wie am Anfang unserer Ehe. Zum Beispiel Küsse sind schon seit drei Jahren vom Programm gestrichen. Da habe ich einen Freund, einen gewissen Müller, der ist genau so lang verheiratet wie ich und lebt mit seiner Frau noch heute derart glücklich - es ist zum Kotzen! Da habe ich ihn neulich gefragt: "Sag mir, ich bitt´ dich, wieso kommt das, daß du mit deiner Frau nach so langjähriger Ehe noch immer glücklich bist?" - "Ja, lieber Freund", sagt er, "das ist eben nur deine Schuld, du mußt mit deiner Frau etwas zärtlicher sein. Wenn du nach Hause kommst, mußt du sie küssen, du sagst ihr etwas Liebes, sie sagt dir etwas Schönes zurück, und so wird das Einvernehmen wieder hergestellt sein!" - Also ich habe richtig seinen Rat befolgt, komme gestern Mittag nach Hause, läute, meine Frau macht auf, ich nehme sie gleich beim Kopf, gebe ihr einen herzlichen Kuß, a tempo fängt sie an, bitterlich zu weinen. Darauf frage ich sie ganz erschrocken: "Warum weinst du?" - "Na hörst du", sagt sie, "jetzt grad war der Rauchfangkehrer da, hat den Ofen geputzt, das Speisezimmer ist ganz schwarz von Ruß, das Dienstmädchen hat mir das neue Porzellanservice zerschlagen, vor einer Stunde ist mir der Hund davongelaufen und jetzt kommst du mir auch noch besoffen nach Hause! Schrecklich!" Jetzt sagen Sie selbst: Soll man heiraten?"



    (aus: Armin Berg; Sie müssen lachen. Das lustige Armin Berg Repertoire. Selbsterlebtes, Szenen, heitere Gedichte, Witze. Wien o.J. (1935); leicht gekürzt.)





    Alfred Polgar beschrieb Armin Berg mit folgenden Worten: "Unzerstörbar trägt er das Ghetto in sich. Aber außen rundherum ist er frech und frei und strahlend im Gefühl seines Nichts. Er hat, als Schild und Wappen, ein Grinsen, vor dem die Hand des Schicksal kraftlos sinkt. Keiner kann so pfiffig und blöd sein wie er, so arglos gemein, so faul sanguinisch."



    (Alfred Polgar, Ja und Nein. Schriften des Kritikers, Band 3: Noch allerlei Theater, Berlin 1926, 159)





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    Armin Berg: Da halt ich mich zurück







    Eine frühe Tonaufnahme (1913) dieses Couplets kann man in dem Artikel "Foreign and Native Elements in the Popular Music of Vienna" von Ernst Weber, GHT, downloaden:





    http://www.phonomuseum.at/index2.php?showID=cm_ernstweber






© by Verena C. Haas 2004