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Armin Berg Revue - Pressestimmen    


Der Standard

"Das g'fallt uns so . . . L.E.O.: Groteske Tänze, bittersüße Couplets"
Von Beate Hennenberg

Wien - Jahrelang wollte das Letzte Erfreuliche Operntheater (L.E.O.) uns glauben machen, die Welt war zu Schellack-Zeiten die beste, sämtliche Opern ließen sich auf einen Tenor reduzieren, und die Auslastung sei kleiner feiner.

Plötzlich ticken die Uhren anders. Demnächst muss die Minibühne wohl an- oder ausbauen. Und die Öffnung Richtung Revueabend hat sich für Darsteller wie Publikum als glücklichste Wahl herausgestellt.

Die jüngste Premiere war dem jüdischen Kabarettisten Armin Berg gewidmet, der während seines Exils in New York mit Jargonpossen, vor allem durch Doppelconferencen mit Karl Farkas, berühmt wurde.

Stefan Fleischhacker, Martin Thoma und Georg Wacks, jeder auf seine unnachahmliche Weise Armin Berg verkörpernd, entführten - zylinderbewehrt und frackbehangen - in die Welt der heiter-frivolen Political Incorrectness.

Schwarze, fatalistische bis bittersüße Couplets wie Das g'fallt uns so in Wien, Der Überzieher, Der Ziegelstein oder Ich glaub' ich bin nicht ganz normal ließen überrzeugend Charme und Chuzpe Bergscher Interpretation auferstehen. Absolutes Highlight aber war wohl The Sand Dance, ein Grotesk-Tanz aus der Zeit des frühen Jazz, der den Jungs nicht nur das Rhythmuszählen, sondern außerdem sportlich-akrobatische Windungen abverlangte. Unnachahmlich.
(Der Standard, Printausgabe vom 6.10.2003)


Die Presse

04.10.2003 - Kultur&Medien / Bühne

Kritik Revue: Lotzelach von Anno dazumal

Reminiszenzen an den Wiener Komiker Armin Berg und jüdische Unterhaltungskultur im L.E.O.

Das L.E.O. ("Letztes erfreuliches Operntheater"), das kleine Souterrainlokal in der Wiener Baumannstraße, erinnert an vergangene Kellertheater-Jahre. Und die drei munter aufspielenden Herrn auf der Bühne führen mit ihrer flotten "Armin-Berg-Revue" in die Zeit zwischen den Weltkriegen. Damals, als jüdischer Humor, der Lotzelach, in Wien in voller Blüte stand. Armin Berg (1883 bis 1956) zählte als famoser Interpret von Couplets ("Der Überzieher", "Ich glaub' ich bin nicht ganz normal") zu den beliebtesten Komikern der Stadt. Volkstümlich, immer lächelnd, phlegmatisch rezitierend, pfiffig und blöd. Die Prater-Etablissements, das Kabarett "Max und Moritz", die "Kleine Lachbühne" waren seine Wirkungsstätten. Die Nazizeit konnte er als Papierwarenverkäufer in New York überleben. Ab 1949 trat er wieder im Simpl mit seinem alten Repertoire auf.

Die heutigen Berg-Drillinge Stefan Fleischhacker, Martin Thoma und Georg Wacks sind natürlich keine echten Bergs mehr. Doch ihre Pointen sitzen, die Verse fließen wie geschmiert, das Programm ist bunt und abwechslungsreich arrangiert. Anlass für dieses Revival: Wacks ist Präsident der frisch gegründeten Armin-Berg-Gesellschaft. Deren Anliegen ist nicht Berg allein. Jüdische Unterhaltungskultur verflossener Jahre soll dokumentiert, das Andenken an diese Künstler, von denen so viele in den Konzentrationslagern umgekommen sind, gepflegt werden. Ihre Texte, Stücke, Notenblätter, im Theaterzensurarchiv St. Pölten und anderen einschlägigen Sammlungen aufbewahrt, sollten nicht völlig in Vergessenheit geraten. mr © diepresse.com | Wien



Die Furche

Rauchtheater
Armin-Berg-Revue am letzten Erfreulichen Operntheater in Wien.


In einem kleinen Kellerlokal im dritten Wiener Bezirk unterhält das L.E.O. (Letztes Erfreuliches Operntheater) auf ganz besondere Weise. Mit Varietéprogrammen, Ausstattungs- und Nummernrevuen bedient es sich Formen der Unterhaltungskultur aus den 1920er Jahren, einer Zeit, in der sich am Theater zahlreiche Möglichkeiten außerhalb der sogenannten Hochkultur entwickeln konnten.

Mit der Wiederaufnahme der Armin-Berg-Revue "Ich glaub' ich bin nicht ganz normal" stellt das L.E.O. einen der damals bekanntesten Komiker seiner Zeit und die Welt des jüdischen Humors ins Rampenlicht. Drei Conférenciers (Stefan Fleischhacker, Martin Thoma und Georg Wacks) unterhalten mit Couplets, Anekdoten und Sketches von Armin Berg, Louis Taufstein, Fritz Löhner-Beda und Friedrich Holländer.

Die Pointen wachsen aus klugem Nonsense, dem "Lotzelach", dem speziellen jüdisch-scharfsinnigen Witz, der bisweilen auch außerhalb strenger Political Correctness amüsiert. Damit belebt das L.E.O. ein Stück so genannter Rauchtheater-Kultur in Wien. Es wird getrunken und gegessen, während teils bitterböse, derb-deftige Couplets das Publikum nie unter seinem Niveau amüsieren.

In der heitern Nummernrevue ist jeder der drei Darsteller Armin Berg: Wacks der tollpatschige, Fleischhacker der frech-heitere und Thoma repräsentiert als melancholisch-trauriger Entertainer exemplarische Biografien einer Künstlergeneration, deren wichtigste Exponenten von den Nazis ermordet wurden oder wie Armin Berg ins Exil gehen mussten. Zwischen gutsubventionierter Hochkultur, technisch dominierten Shows und tiefem Lachtheater wird das L.E.O. als Ort der intelligenten Unterhaltungskunst mit dem Charme eines ungewöhnlichen Etablissements seinen fixen Platz in der Wiener Theaterlandschaft behaupten.
Julia Danielczyk (Die Furche Nr. 18, 60.Jg. / 29.4.2004, S.15)


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